Sonnenuntergang auf Key West - das Farbenspiel der Natur wird gebührend bewundert Foto: Georg J. Schulz

Wo der Highway 1 endet, liegt ein wahres Traumziel. Mit ihrem lässigen Lebensstil zählen die Florida Keys zu den besten Reise-Spots der USA.

Erst habe er Spion bei der CIA werden wollen. Dann vielleicht Investmentbanker an der Wall Street. Doch weil die Bush-Regierung ihre Geheimagenten nicht genug schützte und die Finanz­krise ganze Banken zum Absturz brachte, sei aus beidem nichts geworden, sagt Brian. Stattdessen hat sich der smarte Sonnyboy nach dem Studium zunächst als Barkeeper in New York durchgeschlagen und ist dann auf die Florida Keys weitergezogen.

Dort ist er nun mit Touristen unterwegs, meistens als Skipper von Angelbooten, zweimal in der Woche aber auch als Captain der „African Queen“. Das alte Dampfboot, weltbekannt aus dem gleichnamigen Film mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn, wurde damals für die Außenaufnahmen eingesetzt und liegt nun an einem Steg in Key Largo. Für 49 Dollar pro Person kann man damit über die Kanäle der größten Insel auf den Keys schippern und reichen Villenbesitzern von hinten in die Häuser schauen.

Eine der Yachten, die man dabei sieht, trägt den mit einem Augenzwinkern ausgesuchten Namen „In a Meeting“. So darf man sich das also vorstellen, wenn der Chef oder Geschäftspartner aus dem kühlen Norden mal wieder auf Geschäftsreise im sonnigen Süden ist? Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten . . . Tatsächlich sind es oft die sogenannten Snowbirds, die man in den Wintermonaten hier antrifft.

Etwas später – von Februar bis April – kommen die feierfreudigen Studenten zum Spring Break, nach ihnen vermehrt Touristen aus Übersee. Und natürlich legen fast jeden Tag auch Kreuzfahrtschiffe an und spucken ihre Passagiere aus. Auf 1,6 Milliarden Dollar jährlich wird der Umsatz geschätzt, der am südlichsten Zipfel der Vereinigten Staaten mit Reisenden gemacht wird. Jeder zweite Arbeitsplatz hängt davon ab.

Blick von der "African Queen" aus dem berühmten gleichnamigen Film (1951) auf den Hafen von Key Largo  Foto: Georg J. Schulz
Blick von der "African Queen" aus dem berühmten gleichnamigen Film (1951) auf den Hafen von Key Largo Foto: Georg J. Schulz

Das Korallenriff gehört zu den größten der Welt

Angelockt werden fast alle nicht nur vom zuverlässig warmen Wetter und der grandiosen Unterwasserwelt, zu der das drittgrößte Barriereriff der Welt zählt, sondern vor allem vom lässigen Lebensstil auf den Keys. Hier zu wohnen oder zumindest Urlaub zu machen, bedeutet Konventionen abzulegen, Krawatten gegen T-Shirt und Badelatschen zu tauschen, zum spektakulären Sonnenuntergang einen Mojito zu schlürfen und danach fangfrisches Seafood zu verputzen.

Dazu spielt immer irgendwo einer die passende Livemusik, ob am Marker 88, dem Lighthouse Grill in Marathon, dem Hungry Tarpon in Islamorada oder natürlich dem bunten Mallory Square in Key West. Oft ist ein Hit von Jimmy Buffet („Margaritaville“, „Cheeseburger in Paradise“) dabei, der mittlerweile 71 Jahre alten Musiker-Ikone der Keys.

Doch die Geschichte der Inselchen ist keine, in der immer nur die Sonne scheint, jedenfalls nicht für die Menschen dort. Als Anfang des 16. Jahrhunderts die ersten Spanier kamen, trafen sie auf Ureinwohner der Stämme Calusa und Tequesta, die sich zunächst erfolgreich gegen die Invasoren zur Wehr setzten.

Später gab es eine Zusammenarbeit, die aber zur Folge hatte, dass fast alle Ureinwohner nach Kuba umgesiedelt wurden, die letzten, als 1763 Spanien Florida an die Briten übergab. Mit dem Ende der zweiten Phase spanischer Herrschaft wurden die Cayos endgültig zu den Keys, seit 1821 gehört das Gebiet zu den USA.

Mit den Füßen im Sand und Live-Musik im Hintergrund im Marker 88 relaxen und genießen  Foto: Marita Trinius
Mit den Füßen im Sand und Live-Musik im Hintergrund im Marker 88 relaxen und genießen Foto: Marita Trinius

Bunte Häuser im Bahamas-Stil prägen das Bild

Während man Cayo Largo in Key Largo umbenannte, heißt Cayo Hueso heute Key West. Dort, etwa 90 Meilen von Kuba entfernt, entstanden im 19. Jahrhundert viele Häuser im bunten Bahamas-Stil, die noch immer das Bild der 25.000-Einwohner-Stadt prägen und zum Glück längst unter Denkmalschutz stehen.

Deren Bewohner lebten anfangs nicht nur vom Fischfang, sondern besonders gut davon, die Ladungen sinkender Schiffe zu bergen. Der natürliche Tiefwasserhafen galt als strategisch wichtiger Anlaufpunkt, die Riffe ringsum allerdings waren für die Nautiker eine höllische Gefahrenquelle. Zudem zogen schon damals immer wieder heftige Stürme über die Region, nicht selten in Hurrikan-Stärke.

Mit zunehmendem Vermögen – Key West galt um 1890 sogar als pro Kopf reichste Stadt der USA – wuchs auch die Bedeutung der Inseln. Deshalb beschloss Erdölmagnat und Eisenbahnbesitzer Henry Morrison Flagler, seine Linie an der Ostküste bis nach Key West zu verlängern, was 1912 vollbracht war, trotz mehrfacher Tragödien beim Bau.

Doch schon 1935 ist Schluss mit den Zügen, denn wieder einmal hat ein Hurrikan zu großen Zerstörungen geführt. Statt die Eisenbahn zu restaurieren, wird von nun an in den Overseas Highway investiert, der heute über 42 Brücken, darunter die berühmte Seven-Miles-Bridge, vom Festland nach Key West führt. Am schönsten Strand der Strecke, in Bahia Honda, sind die Reste der alten Eisenbahnbrücke noch immer gut zu sehen.

Typisches Haus im Bahamas-Stil in Key West  Foto: Georg J. Schulz
Typisches Haus im Bahamas-Stil in Key West Foto: Georg J. Schulz
Seven-Miles-Bridge: längste Brücke über die Keys Foto: Georg J. Schulz
Seven-Miles-Bridge: längste Brücke über die Keys Foto: Georg J. Schulz

Das Leben ist teuer, selbst für einstige Gutverdiener

„Die Keys haben schon viele Hurrikans überstanden, und auch diesmal sind wir schneller zurückgekommen, als viele dachten“, sagt Marvin. Er war früher Managementberater in Columbus, nun ist er über 60 und steuert hin und wieder einen der Old Town Trolleys, mit dem Touristen in 90 Minuten durch Key West kutschiert werden.

Mit „diesmal“ meint Marvin den Tropensturm Irma, der im September 2017 in der Karibik eine Schneise der Verwüstung zog und auch auf der amerikanischen Inselkette verheerende Folgen hatte. „Wer die Bilder im Fernsehen und in den Zeitungen gesehen hat, hätte denken können, hier stünde nichts mehr. Doch das ist nicht so, Key West hat erstaunlich wenig abbekommen.“

Marvin weiß inzwischen fast alles über die Stadt und erzählt gern, wo es seiner Meinung nach den besten Key Lime Pie (eine Art Cheesecake, aber gemacht aus Dosenmilch und Limettensaft), den leckersten Lobster oder die meisten Pink Shrimps fürs Geld gibt.

Die Passagiere hören aufmerksam zu, fragen manchmal nach – und belohnen ihren Fremdenführer am Ende der Fahrt wie überall üblich mit einem guten Trinkgeld. Das kann er gebrauchen, denn teuer ist das Leben hier schon, selbst für einstige Gutverdiener aus dem Norden.

Auch Bruce hat es nach seinem Arbeitsleben hierher verschlagen. 38 Jahre lang war er Herausgeber einer kleinen Zeitung in Ohio, nun führt der 64-Jährige ebenfalls Touristen durch die Stadt. Aber im Gegensatz zu Marvin nicht mit einem Bus, sondern mit Fahrrädern. Weil er zum limettenfarbenen T-Shirt noch einen Fahrradhelm mit giftgrüner Irokesenbürste trägt und immer ein paar Krümel Brot dabeihat, lieben ihn selbst die Hühner am Straßenrand, die in Key West fast überall zu finden sind und ähnliche Rechte genießen wie heilige Kühe in Indien.

Key Lime Pie: aus Limettensaft und Dosenmilch Fotos: Marita Trinius
Key Lime Pie: aus Limettensaft und Dosenmilch Fotos: Marita Trinius
Stopp am Kreuzfahrterminal auf der geführten Fahrradtour
Stopp am Kreuzfahrterminal auf der geführten Fahrradtour

Mehr als 200 Bars soll es in Key West geben

Mit dem Unterschied vielleicht, dass „Chicken“ natürlich fast überall auf der Speisekarte steht. Die meisten Restaurants und Bars reihen sich in der Duval Street aneinander. Hier ist schon nachmittags einiges los, abends wird es dann richtig voll. Aus den Kneipen schallt einmal mehr die Musik, jeder scheint den anderen durch die offenen Türen und Fenster übertönen zu wollen. Immer rappelvoll ist das Sloppy Joe’s, einst Stammkneipe von Ernest ­Hemingway, als dieser in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts in der Nachbarschaft lebte und unter der Sonne Floridas einige seiner Bücher („Wem die Stunde schlägt“, „Haben und Nichthaben“) schrieb.

Anfangs allerdings hatte Joe Russells Tresen noch eine andere Adresse, erst 1937 zog er an den heutigen Standort um. Mehr als 200 Bars soll es in Key West geben, darunter viele Kultkneipen wie das Green Parrot und Captain Tony‘s.

Nicht nur Hemingways Villa in der Whitehead Street gehört zum Besuchsprogramm der Urlauber und Tagesgäste, auch zum Haus von Tennessee Williams („Die Katze auf dem heißen Blechdach“) in der Duncan Street machen einige einen Abstecher, bevor sie sich das Williams-Museum in der Truman Street ansehen. Der berühmte Autor mochte die Keys, weil er als Homosexueller hier mehr Freiheiten genoss als anderswo. Noch heute spielt die Stadt in der LGBT-Community eine große Rolle, das Internet ist gespickt mit passenden Tipps.

Das "Sloppy Joe's" war einst Stammkneipe von Star-Autor Ernest Hemingway  Foto: Georg J. Schulz
Das "Sloppy Joe's" war einst Stammkneipe von Star-Autor Ernest Hemingway Foto: Georg J. Schulz

Andere Sorgen als Drogenschmuggel

Möchte man Delfine im offenen Meer sehen und danach etwas schnorcheln gehen, lohnt sich eine Tour mit Captain Lisa. Sie kam vor 18 Jahren aus Texas, ist schon seit 13 Jahren Skipperin bei Fury Water Adventures und macht den Job noch immer gern. „Dreimal pro Woche fahre ich raus und genieße jede Minute.“ Sorge bereitet ihr allerdings US-Präsident Donald Trump: „Es sieht so aus, als wollte er alles zurückdrehen, was wir in den vergangenen 30 Jahren für die Umwelt erreicht haben. Das ist schlimm.

So war es auch kein Wunder, dass es einige Proteste gab, als Trump den Inseln im April einen Besuch abstattete – und dann fast nur über die Gefahren des Drogenschmuggels redete. Die Leute auf den Keys haben eigentlich andere Sorgen, zum Beispiel, wie sie an bezahlbare Wohnungen kommen sollen. Vor allem die einfachen Unterkünfte waren es, die Irma zum Opfer fielen.

Während Key West glimpflich davonkam, traf es Islamorada und Marathon beim Hurrikan hart. Dort sind bis 2019 noch einige Hotels geschlossen. Auch das beliebte Amara Cay Resort war stark beschädigt, konnte aber schon im Dezember wieder öffnen. „Vom Zimmermädchen bis zum Küchenpersonal haben alle angepackt und sich voll reingehauen“, lobt Miguel Waldo, der General Manager des 110-Zimmer-Resorts. Nun hat er mehr Gäste als in der Vorsaison. Beliebte Attraktionen in der Umgebung sind ebenfalls wieder offen, etwa das interessante Museum der Tauchgeschichte und das Dolphin Research Center, in dem sich 26 erstaunliche Tümmler tummeln.

Im Dolphin Resaearch Center auf den Keys leben 26 Tümmler  Foto: Georg J. Schulz
Im Dolphin Resaearch Center auf den Keys leben 26 Tümmler Foto: Georg J. Schulz

Unser Smiley face-Tipp

Das große Angebot an Aktivitäten auf dem Wasser lohnt sich. Ab Key West und Key Largo fahren viele Sportboote zum Tauchen, Angeln und Schnorcheln. Wer Lust auf eine Tour mit dem historischen Dampfboot „African Queen“ hat, kann diese Kanaltour unter africanqueenflkeys.com buchen (49 Dollar). Zahlreiche Tipps  dazu gibt's auch im Internet unter www.fla-keys.com.

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Georg_Schulz

Geschrieben von

Georg J. Schulz

Der GLOBISTA-Autor Georg J. Schulz hat seine Leidenschaft, das Reisen, zum Beruf gemacht. Er ist in  Deutschland und in der Welt zu Hause. Auf den Florida Keys hat ihn besonders der lässige "way of life" beeindruckt. 

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